„Was essen wir heute?"

Eigentlich ist das eine einfache Frage.

Und trotzdem hat sie mich im Familienalltag erstaunlich viel Kraft gekostet.

Denn bevor überhaupt etwas auf dem Teller liegt, habe ich schon jede Menge Denkarbeit geleistet.

Was haben wir noch zu Hause? Was fehlt? Was könnte ich kochen? Was isst mein Sohn aktuell gern? Was mein Partner? Was passt heute zeitlich? Und wenn ich einkaufen gehe – was kann ich gleich noch mitnehmen?

Eine Mahlzeit ist dann plötzlich nicht mehr nur eine Mahlzeit.

Sie wird zu einer kleinen Organisationsaufgabe.

Und genau hier zeigt sich eine Seite von Mental Load, über die beim Thema Einkaufen wenig gesprochen wird:

Die eigentliche Belastung entsteht nicht unbedingt beim Einkaufen selbst.

Sie entsteht durch das Denken, Planen, Erinnern und Vorausdenken, das damit verbunden ist.

Eigentlich sind das Dinge, die ich gut kann und gerne mache.

Doch als ich eines Tages die Kühlschranktür aufmachte, um nachzusehen, was weg muss und was ich für mich und meine Familie kochen könnte, verlor ich plötzlich die Kontrolle in meinem Kopf. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Plötzlich drehten sich die Sätze im Kreis. Milchfrei für meinen Partner, proteinreich für meinen Sohn und etwas Leichtes für mich. Und wieder von vorn. Milchfrei für meinen Partner… Ich hatte buchstäblich das Gefühl, mein Kopf würde jeden Moment explodieren. Wie ein Kurzschluss, der plötzlich Funken sprüht und nichts als einen leisen Piepton hinterlässt. Betäubt stand ich vor der offenen Kühlschranktür und starrte minutenlang ins Leere.

Der Einkauf beginnt lange vor dem Supermarkt

Mental Load beim Einkaufen beginnt nicht mit dem Einkaufswagen.

Er beginnt oft in einem ganz unscheinbaren Moment:

Du öffnest den Kühlschrank.

Die Milch ist fast leer. Das Gemüse reicht noch für heute. Der Joghurt ist aufgebraucht. Und für morgen fällt Dir spontan auch nichts ein.

Du denkst: „Ich muss einkaufen."

Aber eigentlich bedeutet dieser Gedanke viel mehr.

Du musst überlegen: Was brauchen wir? Was können wir aus dem kochen, was noch da ist? Was muss zuerst verbraucht werden? Wie viele Mahlzeiten muss ich abdecken? Was brauchen wir fürs Frühstück? Was für die nächsten Tage?

Der Einkauf selbst dauert vielleicht 30 Minuten.

Die gedankliche Arbeit dahinter kann Dich dagegen schon Stunden vorher begleiten.

Eine einfache Mahlzeit besteht aus vielen kleinen Entscheidungen

Nehmen wir ein ganz normales Abendessen.

Du möchtest Nudeln mit Gemüse kochen.

Klingt unkompliziert.

Doch vielleicht fragst Du Dich vorher: Welche Nudeln haben wir noch? Welches Gemüse ist da? Reicht es für alle? Ist es noch frisch? Mögen die Kinder das heute? Haben wir noch Parmesan? Und was gibt es morgen?

Wenn Du das Gemüse heute aufbrauchst, brauchst Du morgen wieder etwas anderes.

Und wenn Du sowieso einkaufst, kannst Du auch gleich Brot und Obst mitnehmen.

Aus einer einfachen Mahlzeit entsteht so schnell ein kleines Netzwerk aus Entscheidungen.

Keine einzelne davon ist besonders groß.

Aber viele kleine Entscheidungen, die immer wieder getroffen werden müssen, können sich zu einer dauerhaften geistigen Belastung summieren.

Genau das macht Mental Load so schwer greifbar.

Du planst selten nur für heute

Beim Einkaufen denkst Du meistens schon über den aktuellen Tag hinaus.

Was essen wir morgen? Was brauchen wir am Wochenende? Wann habe ich wenig Zeit zum Kochen? Welches Essen eignet sich für ein Picknick?

Vielleicht weißt Du: Mittwoch ist wenig Zeit. Donnerstag sind wir unterwegs. Freitag möchtest Du Fisch machen. Am Wochenende kommt Besuch. Und Sonntag möchtest Du bewusst nichts fest planen.

Also muss Dein Einkauf irgendwie zu all dem passen.

Du planst nicht nur Lebensmittel.

Du planst gegen Deinen zukünftigen Alltag an.

Und genau dieses Vorausdenken ist ein Teil der Arbeit, die von außen kaum sichtbar ist.

Du kaufst nicht nur für Dich ein

Wenn Du für eine Familie einkaufst, berücksichtigst Du selten nur Deine eigenen Bedürfnisse.

Du weißt, welches Brot Dein Kind gerade gerne isst. Was Dein Partner morgens braucht. Welche Lebensmittel meistens gut funktionieren. Was Dein Kind gerade ablehnt. Was im Kühlschrank liegen bleiben würde.

Diese Informationen stehen meistens nicht auf einer Liste.

Sie sind in Deinem Kopf.

Du hast sie über viele Alltagssituationen gesammelt und kannst deshalb scheinbar ganz nebenbei entscheiden: „Das brauchen wir."

Doch auch dieses Wissen ist Denkarbeit.

Du trägst nicht nur die Aufgabe des Einkaufens.

Du trägst einen Teil der Verantwortung dafür, dass der Einkauf überhaupt funktioniert.

„Was fehlt?" ist nicht dasselbe wie „Was brauchen wir?"

Genau hier wird der Einkauf noch komplexer.

Wenn Du nur wissen müsstest, was leer ist, wäre die Sache relativ einfach.

Milch leer? Auf die Liste. Brot leer? Auf die Liste.

Familienessen funktioniert aber anders.

Vielleicht ist noch Reis da – aber kein Gemüse dazu. Vielleicht ist Mehl vorhanden – aber keine Eier. Vielleicht ist der Kühlschrank sogar ziemlich voll und trotzdem hast Du keine Idee für die nächsten drei Mahlzeiten.

Du musst Dich also nicht nur an Produkte erinnern.

Du musst Informationen miteinander verbinden: Was ist vorhanden? Was fehlt? Was passt zusammen? Was wird wann gebraucht?

Und genau darin steckt ein großer Teil des Mental Loads.

Nahaufnahme von Händen, die eine Tomate über einen Einkaufskorb mit Gemüse halten

Wenn aus Essen eine Optimierungsaufgabe wird

Dazu kommt häufig noch ein anderer Anspruch:

Du möchtest Deine Familie gut ernähren.

Also kommen weitere Fragen dazu: Ist genug Gemüse dabei? Essen wir abwechslungsreich? Ist die Mahlzeit ausgewogen? Ist das für mein Kind geeignet? Was ist saisonal? Was ist nachhaltig? Was ist gesund?

Bewusst zu entscheiden, was auf den Tisch kommt, kann Freude machen.

Anstrengend wird es dann, wenn Du das Gefühl hast, bei jeder Mahlzeit die optimale Entscheidung treffen zu müssen.

Denn dann lautet die Frage nicht mehr nur: „Was essen wir heute?"

Sondern: „Was wäre jetzt die beste Lösung?"

Die gesündeste. Die abwechslungsreichste. Die schnellste. Die günstigste. Die nachhaltigste. Die, die die Kinder tatsächlich essen.

Und plötzlich soll eine einzige Mahlzeit sehr viele Anforderungen gleichzeitig erfüllen.

Dabei darf Essen manchmal einfach Essen sein.

Warum kleine Entscheidungen so müde machen können

Eine einzelne Entscheidung wird Dich wahrscheinlich nicht erschöpfen.

Nudeln oder Reis? Keine große Sache.

Aber wenn Du jeden Tag unzählige solcher kleinen Entscheidungen triffst, sieht es anders aus.

Was gibt es zum Frühstück? Was kommt in die Brotdose? Was essen wir heute? Was braucht mein Kind für den Nachmittag? Was gibt es morgen? Was muss ich dafür einkaufen? Und was darf ich auf keinen Fall vergessen?

Irgendwann entsteht vielleicht dieser Wunsch: „Ich möchte einfach einmal nichts entscheiden müssen."

Nicht, weil Du Deinen Alltag nicht im Griff hast.

Nicht, weil Du schlecht organisiert bist.

Sondern weil Dein Kopf schon den ganzen Tag gearbeitet hat.

Denn wenn Du sagst: „Ich gehe einkaufen", steckt dahinter meistens viel mehr als der Weg zum Supermarkt. Der Einkauf ist der sichtbare Teil. Die eigentliche Arbeit findet vorher im Kopf statt.

Die entscheidende Frage: Muss ich das wirklich jedes Mal neu entscheiden?

Hier beginnt für mich ein besonders spannender Teil des Themas.

Denn vielleicht brauchst Du nicht einfach einen noch besseren Einkaufszettel.

Vielleicht brauchst Du auch nicht noch mehr Organisation.

Vielleicht darfst Du vielmehr fragen: Warum muss ich dieselben Entscheidungen eigentlich immer wieder neu treffen?

Vielleicht musst Du nicht jeden Tag überlegen, welche 20 Gerichte möglich wären.

Vielleicht brauchst Du nicht ständig neue Rezeptideen.

Vielleicht muss nicht jede Mahlzeit kreativ und abwechslungsreich sein.

Vielleicht darf manches einfach feststehen.

Und genau hier beginnt die Verbindung zum Entscheidungs-Mental-Load.

Einmal entscheiden – nicht ständig neu entscheiden

Vielleicht gibt es bei Euch drei Frühstücke, die zuverlässig funktionieren.

Vielleicht habt Ihr zehn Familiengerichte, die immer wieder gerne gegessen werden.

Vielleicht gibt es Lebensmittel, die fast automatisch auf Deiner Einkaufsliste landen.

Vielleicht weißt Du: Wenn wenig Zeit ist, gibt es unser schnelles Standardgericht.

Das bedeutet nicht, dass Dein Alltag starr werden muss.

Es bedeutet nur, dass Du nicht jedes Mal bei null anfangen musst.

Eine Entscheidung darf einmal getroffen werden und danach eine Weile für Dich arbeiten.

Nicht, weil Du effizienter durch den Supermarkt kommen willst, sondern weil Du danach weniger Arbeit im Kopf hast – vorher und nachher.

Genau darin liegt eine große Chance, Mental Load zu reduzieren.

Abwechslung geht dabei nicht verloren

Vielleicht denkst Du jetzt:

Aber ich möchte doch abwechslungsreich essen.

Ich möchte spontan bleiben.

Ich möchte nicht ständig nach festen Regeln leben.

Das musst Du auch nicht.

Bewusste Vereinfachung bedeutet nicht, Deinen Familienalltag komplett durchzuplanen.

Sie bedeutet: Du entscheidest bewusst, wo Du noch entscheiden möchtest.

Vielleicht möchtest Du am Wochenende neue Rezepte ausprobieren. Vielleicht liebst Du es, spontan auf dem Markt einzukaufen. Vielleicht möchtest Du einmal im Monat etwas völlig Neues kochen.

Dann darf all das bleiben.

Aber nicht jede Mahlzeit muss diese Freiheit bieten.

Nicht jede Entscheidung muss kreativ sein.

Manche dürfen einfach feststehen.

Eine kleine Übung für Deinen nächsten Einkauf

Beim nächsten Einkauf kannst Du deshalb einmal etwas anderes beobachten.

Nicht nur: „Was muss ich kaufen?"

Sondern: „Was musste ich alles bedenken, bevor ich diese Liste schreiben konnte?"

Vielleicht stellst Du fest, dass hinter einem einzigen Einkauf erstaunlich viele Gedanken stecken.

Und vielleicht erkennst Du dabei auch Entscheidungen, die sich jede Woche wiederholen.

Genau dort lohnt es sich hinzusehen.

Denn wenn sich eine Entscheidung immer wiederholt, musst Du sie vielleicht nicht immer wieder neu treffen.

Du kannst sie einmal bewusst vereinfachen.

Und danach darf sie leichter werden.

Für Deinen Alltag

Eine Woche weniger überlegen

Genau an diesem Punkt setzt mein Freebie an. Nicht mit dem Anspruch, Deinen Familienalltag perfekt durchzuplanen. Sondern mit einer ganz konkreten Entlastung bei einer Frage, die immer wieder auftaucht: „Was essen wir heute?" Für eine Woche sind sechs einfache Familiengerichte bereits entschieden. Der Sonntag bleibt bewusst frei – für Reste, Essen gehen oder das, was gerade passt.

Kostenlosen Wochenplan holen

Denn auch das gehört für mich zu einem bewussten System:

Nicht alles muss geplant werden. Nicht alles muss optimiert werden. Und nicht jede Entscheidung muss verschwinden.

Manche darfst Du einfach loslassen – vor allem die, die sich jede Woche wiederholt, ohne dass sie es wert ist.

Vielleicht ist das genau der erste Schritt:

Nicht Deinen gesamten Familienalltag zu verändern.

Sondern eine einzige wiederkehrende Entscheidung aus Deinem Kopf zu nehmen.

Du musst nicht alles verändern. Nur den nächsten Schritt.