Neulich waren wir bei einer Familienfeier eingeladen. Natürlich gab es Kuchen. Normalerweise bringe ich einen eigenen Kuchen mit, den ich mit eingeweichten Datteln süße, weil mir eine Ernährung ohne Industriezucker wichtig ist. Doch diesmal habe ich es zeitlich nicht geschafft. Stattdessen hatte ich Datteln als Ganze mit. Zum Glück liebt mein Sohn die.
Kaum geht es mit dem Kuchenbuffet los, erspähe ich ein Tiramisu. Und ich liebe Tiramisu. Sofort geht das Gedankenkarussell los.
Ich würde das so gerne essen. Aber wie soll ich das nur machen? Ich kann meinem Sohn doch keine Dattel geben, eine zuckerfreie Ernährung predigen und dann selbst das Dessert essen?
Am Ende habe ich genau das getan. Meinem Sohn die Dattel gegeben und selbst heimlich schnell hinter seinem Rücken das Tiramisu verschlungen. Und natürlich kam danach sofort das schlechte Gewissen.
Was bin ich nur für ein Vorbild?
Was lernt mein Sohn daraus, wenn er mich erwischt?
Und vor allem: Bin ich eigentlich eine gute Mutter?
Vielleicht kennst Du dieses Gedankenkarussell. Nicht unbedingt wegen eines Tiramisus. Sondern nachdem Du zu laut geworden bist. Nachdem Du Deinem Kind etwas erlaubt hast, obwohl Du eigentlich Nein sagen wolltest. Oder nachdem Du ihm etwas verboten hast und Dich anschließend gefragt hast, ob Du zu streng warst.
Habe ich heute genug Zeit mit ihm verbracht? Hätte ich anders reagieren sollen? War das richtig?
Und plötzlich geht es gar nicht mehr nur um diese eine Situation.
Das kennt vielleicht jede Mama: das schlechte Gewissen nach einem einzelnen Moment. Aber manchmal bleibt es nicht dabei.
Aus einem „War das gerade richtig?" wird ein „Warum mache ich das eigentlich so?"
Und irgendwann steht da diese viel größere Frage: Bin ich eine gute Mutter?
Vielleicht mache ich es nicht richtig. Vielleicht müsste ich mehr wissen, mehr geben, mehr da sein. Und irgendwann geht es nicht mehr um die einzelne Situation. Sondern um Dich.
Was, wenn ich als Mutter einfach nicht gut genug bin?
Doch was, wenn Deine Zweifel nicht das bedeuten, was Du bisher in ihnen gesehen hast? Was, wenn sie nicht beweisen, dass Du eine schlechte Mutter bist?
Was, wenn sie vielmehr etwas darüber verraten, wie wichtig Dir Deine Rolle als Mutter ist?
Du möchtest es gut machen
Denn hinter dieser Frage steckt häufig etwas sehr Verständliches: Du möchtest es gut machen.
Wenn Dir völlig egal wäre, wie es Deinem Kind geht, würdest Du Dich wahrscheinlich nicht so häufig fragen, ob Du richtig gehandelt hast. Du würdest nicht über Deinen Tonfall nachdenken. Nicht darüber, ob Dein Kind sich gesehen fühlt. Nicht darüber, ob Deine Entscheidung die richtige war.
Du möchtest, dass es Deinem Kind gut geht. Du möchtest seine Bedürfnisse sehen. Du möchtest Grenzen setzen, ohne zu verletzen. Du möchtest da sein, wenn es Dich braucht.
Und genau deshalb können manche Entscheidungen so schwer werden. Denn wenn Dir etwas wirklich wichtig ist, möchtest Du es nicht leichtfertig falsch machen.
Doch genau hier kann etwas passieren: Aus dem Wunsch, es gut zu machen, wird der Anspruch, es immer richtig machen zu müssen.
Das Problem ist also nicht, dass Du es gut machen möchtest. Das Problem beginnt dort, wo aus „Ich möchte es gut machen" ein „Ich darf es nicht falsch machen" wird.
Dann wird aus „War das heute die beste Entscheidung?" schnell: „Warum weiß ich eigentlich nicht, was richtig ist?"
Aus „Ich hätte vielleicht anders reagieren können" wird: „Ich mache ständig alles falsch."
Und aus einem einzelnen schwierigen Moment wird plötzlich ein Urteil über Dich als Mutter.
Vielleicht warst Du heute ungeduldig. Vielleicht hast Du eine Entscheidung getroffen, die Du später anders treffen würdest. Vielleicht hast Du Deinem Kind etwas erlaubt, obwohl Du Dir eigentlich eine andere Grenze vorgenommen hattest.
Das darf sein.
Bei mir war es das Tiramisu. Im Nachhinein wurde mir klar, wie schnell ich aus einer einzelnen Entscheidung ein Urteil über mich als Mutter gemacht hatte. Ich habe nicht nur gedacht: „Vielleicht hätte ich das anders machen sollen." Sondern: „Was sagt das über mich als Mutter aus?"
Und genau da liegt der Denkfehler.
Du kannst eine Entscheidung bereuen. Du kannst etwas beim nächsten Mal anders machen wollen. Aber daraus folgt nicht automatisch, dass Du eine schlechte Mutter bist.
Du bist mehr als der einzelne Moment, in dem Du vielleicht nicht so gehandelt hast, wie Du es Dir vorgenommen hattest.
Und dann vergleichst Du Dich auch noch mit anderen
Gerade wenn Du selbst zweifelst, kann der Blick auf andere besonders weh tun.
Du siehst eine Mama, die genau zu wissen scheint, was sie tut. Ein Familienfoto ohne Chaos im Hintergrund. Ein Post über den perfekt organisierten Kindergeburtstag.
Und vielleicht denkst Du: „Warum wirkt sie so sicher, und ich nicht?"
Doch Du siehst immer nur einen Ausschnitt.
Du siehst das Ergebnis. Nicht die Unsicherheit davor. Du siehst die Entscheidung. Nicht die Zweifel, die ihr vorausgingen.
Du vergleichst Deine ungefilterte Unsicherheit mit der nach außen gezeigten Gewissheit eines anderen Menschen. Und genau deshalb fühlt es sich so oft an, als würden alle anderen es besser wissen.
Vielleicht wissen sie es gar nicht besser. Vielleicht zeigen sie Dir nur nicht die Momente, in denen sie selbst nicht weiterwissen.
Du musst Deine Mutterschaft nicht jeden Abend neu beweisen
Vielleicht ist das etwas, das Du Dir öfter sagen darfst:
Ich muss meine Mutterschaft nicht jeden Abend neu beweisen.
Es gibt keine Punktzahl für Geduld. Keine Checkliste, die Dir bestätigt, dass Du heute eine gute Mutter warst.
Du wirst Tage haben, an denen Du geduldig bist. Und Tage, an denen Du es nicht bist. Du wirst Entscheidungen treffen, hinter denen Du auch später noch stehst. Und andere, bei denen Du denkst: Das würde ich heute anders machen.
Beides gehört zu Mutterschaft.
Eine gute Mutter ist nicht die, die jeden Moment richtig einschätzt. Sie ist auch nicht die, die nie zweifelt.
Vielleicht musst Du nicht die perfekte Antwort finden
Vielleicht versuchst Du manchmal, im Nachhinein die perfekte Antwort zu finden.
Hätte ich anders reagieren sollen? Hätte ich Nein sagen müssen? Hätte ich geduldiger sein müssen?
Aber Mutterschaft funktioniert nicht wie eine Prüfung, bei der es für jede Situation genau eine richtige Antwort gibt.
Manchmal gibt es nicht die eine perfekte Entscheidung. Es gibt nur die Entscheidung, die Du in diesem Moment mit dem Wissen, der Kraft und den Möglichkeiten getroffen hast, die Dir zur Verfügung standen.
Und manchmal stellst Du später fest: Heute würde ich es anders machen. Das bedeutet nicht, dass Du damals eine schlechte Mutter warst. Es bedeutet, dass Du heute etwas anders siehst.
Denn gerade als Mutter gibt es so viele Situationen, in denen mehrere Wege richtig sein können. Was heute passt, kann morgen anders sein. Was bei einem Kind funktioniert, funktioniert beim nächsten vielleicht nicht. Und manchmal weißt Du erst im Nachhinein, was Du anders machen würdest.
Das ist kein Versagen. Das ist Leben mit einem Kind.
Vielleicht musst Du Deinem Zweifel nicht jedes Mal glauben
Selbstzweifel fühlen sich oft sehr überzeugend an. Wenn Du denkst: „Ich hätte das besser machen müssen", fühlt es sich schnell so an, als wäre das eine Tatsache.
Aber ein Gedanke ist nicht automatisch die Wahrheit, nur weil er sich vertraut anfühlt.
Du darfst innehalten und Dich fragen: Ist das wirklich ein Zeichen dafür, dass ich es nicht gut mache? Verlange ich gerade etwas von mir, das niemand dauerhaft leisten kann? Oder versuche ich vielleicht, aus einer Situation im Nachhinein die eine perfekte Antwort herauszufinden, die es gar nicht gibt?
Vielleicht hilft Dir auch ein anderer Gedanke:
Stell Dir vor, eine andere Mutter würde zu Dir sagen: „Ich weiß manchmal einfach nicht, ob ich eine gute Mutter bin."
Würdest Du ihr sagen, dass genau dieser Zweifel beweist, dass sie keine gute Mutter ist? Oder würdest Du eher denken: Wenn sie sich das fragt, dann nur, weil ihr Kind ihr wichtig ist?
Vielleicht darfst Du Dir genau diese Antwort auch selbst geben.
Du kannst zweifeln und trotzdem eine gute Mutter sein
Vielleicht ist das etwas, das Du Dir öfter sagen darfst: Ich kann zweifeln und trotzdem eine gute Mutter sein.
Ich kann etwas falsch machen und trotzdem eine gute Mutter sein. Ich kann eine Grenze setzen und mich danach fragen, ob sie richtig war. Ich kann erschöpft, ungeduldig oder überfordert sein und mein Kind trotzdem von Herzen lieben.
Denn eine gute Mutter erkennst Du nicht daran, dass sie immer richtig handelt. Viel mehr gehört die Bereitschaft dazu, hinzusehen, wenn etwas nicht so gut gelaufen ist.
Du darfst Dich entschuldigen. Du darfst beim nächsten Mal anders reagieren. Du darfst etwas lernen. Du darfst Deine Meinung ändern.
Nichts davon macht Deine Liebe weniger echt.
Selbstvertrauen bedeutet nicht, keine Zweifel zu haben
Vielleicht besteht die Lösung deshalb auch gar nicht darin, Deine Selbstzweifel vollständig loszuwerden.
Vielleicht wirst Du Dich auch in Zukunft manchmal fragen: War das richtig? Hätte ich anders reagieren sollen? Bin ich meinem Kind gerecht geworden?
Und das ist in Ordnung. Du darfst diese Fragen haben, ohne Dich von ihnen verurteilen zu lassen.
Du darfst sagen: „Ich weiß es gerade nicht." Und trotzdem darauf vertrauen, dass Du Deinen Weg findest.
Denn Selbstvertrauen bedeutet nicht, immer sicher zu sein.
Selbstvertrauen kann auch bedeuten, Unsicherheit auszuhalten, ohne sich selbst dabei infrage zu stellen.
Du musst nicht auf jede Frage sofort eine Antwort haben. Du musst nicht wissen, ob Du gerade alles richtig machst.
Du darfst Dir selbst auch dann vertrauen, wenn Du gerade unsicher bist.
Vielleicht verrät Dein Zweifel etwas anderes über Dich
Wenn Du Dich fragst: „Bin ich eine gute Mutter?", dann hör vielleicht einmal genauer hin. Nicht nur auf die Angst hinter dieser Frage. Sondern auch auf das, was darunter liegt.
Da ist vielleicht Deine Liebe. Deine Fürsorge. Deine Bereitschaft, über Dich selbst nachzudenken. Dein Wunsch, Deinem Kind gerecht zu werden.
Deine Zweifel sind kein Beweis gegen Dich. Vielleicht zeigen sie Dir vielmehr, wie wichtig Dir Deine Rolle als Mutter ist.
Und vielleicht darfst Du genau deshalb aufhören, jeden Zweifel als Beweis dafür zu verwenden, dass Du nicht gut genug bist.
Du musst nicht immer wissen, ob Du eine gute Mutter bist
Vielleicht wirst Du nie an jedem Abend mit absoluter Gewissheit sagen können: Heute habe ich alles richtig gemacht. Das musst Du auch nicht.
Denn eine gute Mutter ist nicht perfekt. Sie weiß nicht immer, was richtig ist. Sie macht Fehler. Sie entschuldigt sich. Sie lernt. Und sie darf Dinge später anders sehen.
Vielleicht musst Du deshalb nicht aufhören zu zweifeln. Vielleicht darfst Du nur aufhören, jeden Zweifel als Beweis gegen Dich zu verwenden.
Du darfst zweifeln. Du darfst Fehler machen. Du darfst Dinge später anders sehen.
Und trotzdem darfst Du Dir selbst vertrauen.
Vielleicht brauchst Du gerade keine Antwort
Vielleicht brauchst Du nicht noch mehr Wissen darüber, wie eine gute Mutter sein sollte. Vielleicht brauchst Du für einen Moment einfach die Erlaubnis, nicht alles wissen zu müssen.
Die Erlaubnis, nicht perfekt zu sein. Und die Erinnerung daran, dass Du Dich nicht für jeden schwierigen Moment verurteilen musst.
Genau dafür habe ich mein kostenloses Audio „Ich darf zweifeln" aus der Reihe „Zurück zu Dir" aufgenommen. Fünf Minuten nur für Dich.
Für den Moment, in dem Du wieder einmal an Dir zweifelst. Für den Moment, in dem Du Dich fragst, ob Du genug bist.
Und für die Erinnerung:
Du darfst zweifeln.
Deine Zweifel sind kein Beweis dafür, dass Du keine gute Mama bist.
Vielleicht musst Du nicht sicher sein, um Dir selbst zu vertrauen.
Und vielleicht darf genau das Deine Antwort sein, wenn Du Dich das nächste Mal fragst: „Bin ich eine gute Mutter?"