Als mein Sohn mit der Beikost begonnen hat, wurde unser Esstisch plötzlich zum kleinen Experimentierlabor.

Essen wurde zerdrückt, verteilt, untersucht – und gelegentlich auch direkt auf den Boden befördert.

Der Teller übrigens gleich hinterher.

Ich lernte ziemlich schnell: Beim Baby-led-Weaning sollte man nicht nur überlegen, was auf dem Teller liegt. Man sollte auch überlegen, ob der Teller seinen ersten Flugversuch überlebt.

Also musste passendes Geschirr her.

Am besten bruchsicher, rutschfest, leicht zu reinigen – und bitte ohne dass ich dafür gleich ein komplettes Geschirrset für die nächsten drei Entwicklungsstufen kaufen musste.

Ehrlich gesagt hatte ich damals weder die Zeit noch die Kraft, mich ausführlich damit zu beschäftigen. Wir haben einfach genommen, was schnell greifbar war.

Erst später habe ich mich genauer eingelesen. Und vieles davon hätte ich gern schon früher gewusst.

Genau deshalb schreibe ich diesen Artikel: damit Du nicht erst hinterher schlauer sein musst.

Wer heute nach BLW-Geschirr sucht, landet besonders schnell bei Silikon.

Es ist weich, flexibel und geht nicht kaputt, wenn der Teller einmal auf dem Boden landet. Viele Produkte werden außerdem mit Eigenschaften wie „BPA-frei“, „lebensmittelecht“ oder „frei von Schadstoffen“ beworben.

Silikon scheint damit zunächst wie die perfekte Lösung für BLW.

Aber ist Silikon deshalb automatisch die sinnvollste und nachhaltigste Wahl?

Nicht unbedingt.

Denn bei nachhaltigem Kinder-Essgeschirr geht es nicht nur darum, das vermeintlich „beste“ Material zu finden.

Es geht auch darum, wie geeignet ein Produkt für seinen vorgesehenen Einsatz ist, wie lange es genutzt werden kann, wie gut es in Deinen Familienalltag passt – und ob Du es überhaupt brauchst.

Und genau deshalb lohnt sich ein etwas genauerer Blick.

Welches Material ist für Kinder-Essgeschirr geeignet?

Wenn Du nach Geschirr für die Beikost suchst, wirst Du vor allem auf drei Materialien stoßen:

  • Silikon
  • Edelstahl
  • Porzellan bzw. Keramik

Alle drei haben unterschiedliche Eigenschaften.

Silikon kann besonders praktisch sein, wenn Dein Baby seinen Teller noch regelmäßig vom Tisch befördert.

Edelstahl ist robust und langlebig und eine gute Alternative, wenn Du möglichst wenig Silikon verwenden möchtest.

Porzellan wiederum bringt das Gefühl von klassischem Geschirr an den Familientisch und kann – je nach Produkt – ebenfalls gut funktionieren, wenn eine rutschfeste Unterlage oder Saughülle für zusätzlichen Halt sorgt.

Es gibt deshalb nicht das eine perfekte Material für BLW.

Die bessere Frage ist:

Welche Eigenschaften brauchen wir gerade – und können wir das Geschirr möglichst lange nutzen?

Denn vielleicht brauchst Du am Anfang vor allem einen Teller, der einen Flugversuch überlebt.

Vielleicht möchtest Du von Anfang an möglichst langlebiges Geschirr kaufen, das Dein Kind noch viele Jahre verwenden kann.

Oder Du möchtest einfach, dass sich das Geschirr am Familientisch wie „richtiges Geschirr“ anfühlt.

Genau deshalb würde ich die Auswahl nicht nach dem Motto „Welches Material gewinnt?“ treffen.

Sondern nach Eurem Alltag.

Silikon ist nicht gleich Silikon

Silikon hat ohne Frage einige Eigenschaften, die es für Kindergeschirr praktisch machen.

Es ist bruchsicher, flexibel und leicht. Ein Teller kann herunterfallen, ohne dass sofort Scherben entstehen. Viele Silikonprodukte lassen sich außerdem in der Spülmaschine reinigen.

Gerade beim selbstständigen Essen kann das den Alltag deutlich einfacher machen.

Drei runde Kinderteller aus Silikon mit Unterteilungen auf rosa Hintergrund, gefüllt mit Obst, Gemüse und kleinen Snacks

Trotzdem sagt das Wort „Silikon“ allein noch nicht besonders viel über die Qualität eines konkreten Produktes aus.

Das bedeutet nicht, dass Silikongeschirr grundsätzlich problematisch wäre.

Es bedeutet vielmehr:

Nicht das Material allein entscheidet.

Wie groß die Unterschiede sein können, zeigt eine Untersuchung des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Im Jahr 2023 hat es 15 Produkte Kindergeschirr aus Silikon geprüft. Bei fünf davon wurde eine erhöhte Freisetzung sogenannter flüchtiger organischer Bestandteile festgestellt – also von Stoffen, die sich vor allem beim Erwärmen aus dem Material lösen und auf Lebensmittel übergehen können. Alle fünf stammten aus dem Onlinehandel. Bei zwölf Produkten fehlten außerdem Teile der vorgeschriebenen Hinweise zur sicheren Verwendung.

Das ist eine kleine Stichprobe. Und sie bedeutet nicht, dass Silikongeschirr grundsätzlich bedenklich wäre. Aber sie zeigt, warum sich ein zweiter Blick lohnen kann: auf einen Hersteller, der klare Angaben zu Material, Temperatur und Reinigung macht. Und ruhig auch auf Deine Nase. Riecht ein Silikonteller auffällig chemisch, würde ich ihn eher nicht für den Esstisch verwenden.

„BPA-frei“ beantwortet nicht jede Materialfrage

Wenn Du Kinder-Essgeschirr kaufst, begegnen Dir wahrscheinlich schnell Begriffe wie:

  • BPA-frei
  • PVC-frei
  • Phthalat-frei
  • lebensmittelecht
  • LFGB
  • Platin-Silikon

Solche Angaben können hilfreich sein.

Sie beantworten aber nicht automatisch jede Frage.

Interessanter ist:

Was genau beschreibt der Hersteller über das Produkt?

  • Welches Material wird verwendet?
  • Für welchen Temperaturbereich ist es vorgesehen?
  • Wie darf es gereinigt werden?
  • Ist es für den Lebensmittelkontakt vorgesehen?
  • Und wie lange kannst Du es voraussichtlich verwenden?

Bei Silikon kann Dir außerdem ein Hinweis darauf Orientierung geben, dass das Produkt die Anforderungen der BfR-Empfehlung XV erfüllt. Das ist die Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung für Silikone, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen.

Für mich ist deshalb ein Grundsatz beim bewussten Einkauf besonders hilfreich:

Nicht ein einzelnes Siegel oder Schlagwort sollte über ein Produkt entscheiden. Schau Dir das gesamte Produkt an.

Und was ist mit Bambus-Geschirr?

Vielleicht bist Du bei Deiner Suche auch auf Kindergeschirr aus „Bambus“ gestoßen. Es sieht natürlich aus und wurde lange als besonders umweltfreundlich beworben. Tatsächlich handelte es sich dabei meist um Kunststoff: Melamin-Formaldehyd-Harz, dem Bambusfasern als Füllstoff beigemischt wurden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat festgestellt, dass diese sogenannte „Bambusware“ bei heißen Speisen im Mittel deutlich mehr Melamin und Formaldehyd freisetzt als herkömmliches Melamingeschirr. Weil Bambus als Füllstoff in Kunststoffgeschirr nicht zugelassen ist, darf sie in der EU nicht mehr verkauft werden und ist inzwischen weitgehend vom Markt verschwunden.

Begegnen kann sie Dir trotzdem noch, zum Beispiel gebraucht oder als älteres Geschenk. Erkennen kannst Du sie oft an der matten, meist bunt bedruckten Oberfläche, während echtes Bambusgeschirr eine sichtbare Holzmaserung hat. Die Verbraucherzentrale rät, solches Geschirr nicht mehr für Lebensmittel zu verwenden.

Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, dass ein natürliches Aussehen noch nichts darüber verrät, woraus ein Produkt wirklich besteht.

Was gutes BLW-Geschirr eigentlich können sollte

Beim Baby-led-Weaning geht es nicht darum, möglichst viel Spezialgeschirr zu besitzen.

Entscheidend ist vielmehr, dass Dein Kind möglichst selbstständig essen und dabei Erfahrungen mit Lebensmitteln und unterschiedlichen Konsistenzen sammeln kann.

Dafür können einige Eigenschaften hilfreich sein.

Ein stabiler Stand

Wenn Dein Baby seinen Teller momentan lieber durch die Gegend schiebt als daraus zu essen, kann ein Saugfuß ziemlich praktisch sein.

Denn auch wenn der Teller nicht unbedingt als Spielzeug gedacht war – Dein Baby hat möglicherweise andere Vorstellungen.

Kleinkind mit blonden Locken sitzt im Hochstuhl und isst mit einem Löffel aus einer grünen Silikonschale mit Saugfuß

Ein geeigneter Rand

Ein etwas höherer oder nach innen gewölbter Rand kann später helfen, Lebensmittel mit einem Löffel aufzunehmen.

Gerade wenn Dein Kind zunehmend selbstständig mit Besteck essen möchte, kann das einen Unterschied machen.

Eine passende Größe

Dein Baby braucht keinen Teller, der aussieht wie eine Familienpizza.

Eine überschaubare Fläche reicht für kleine Portionen vollkommen aus.

Ein geringes Gewicht

Gerade am Anfang kann leichtes Geschirr einfacher zu handhaben sein.

Andererseits kann etwas schwereres Geschirr später auch stabiler auf dem Tisch stehen.

Es kommt also darauf an, was für Euch gerade wichtiger ist.

Eine einfache Reinigung

Das klingt banal – ist im Familienalltag aber wichtig.

Geschirr, das täglich benutzt wird, sollte sich unkompliziert reinigen lassen.

Denn spätestens wenn zum zerdrückten Essen noch Haferbrei, Avocado und Tomatensoße dazukommen, wirst Du vermutlich wenig Interesse an komplizierten Reinigungsritualen haben.

Und schließlich: Es sollte zu Eurem Alltag passen

Denn was für eine Familie perfekt funktioniert, kann für eine andere völlig unpraktisch sein.

Nachhaltigkeit beginnt nicht beim Material allein

Bei nachhaltigem Kindergeschirr wird häufig nur über das Material gesprochen.

Silikon oder Edelstahl?

Plastik oder Porzellan?

Doch eigentlich beginnt die Frage schon vorher:

Wie viel brauchen wir überhaupt?

Und danach:

Wie lange können wir es verwenden?

Ein Teller, der jeden Tag über mehrere Jahre benutzt wird, kann im Alltag sinnvoller sein als mehrere vermeintlich nachhaltige Produkte, die jeweils nur für eine kurze Entwicklungsphase angeschafft werden.

Gerade bei Babyprodukten lohnt es sich deshalb, nicht jedem neuen Trend zu folgen.

Dein Kind braucht zum Start ins selbstständige Essen kein perfekt zusammengestelltes BLW-Geschirrset.

Ein Teller oder eine Schale, etwas Besteck und vielleicht ein Becher reichen zunächst vollkommen aus.

Mehr kann später dazukommen, wenn Du tatsächlich merkst, dass Ihr es braucht.

Die nachhaltigste Kaufentscheidung ist manchmal die, die Du gar nicht triffst.

Nicht alles, was speziell für Babys hergestellt wird, muss auch in Euren Haushalt einziehen.

Und genau hier beginnt für mich nachhaltiger Konsum:

Nicht möglichst viel „nachhaltiges“ Zeug zu kaufen.

Sondern bewusster auszuwählen, weniger zu besitzen und das, was bereits da ist, möglichst lange zu nutzen.

Die drei Materialien im Überblick

Wenn Du Dich für spezielles Kinder-Essgeschirr entscheiden möchtest, hilft Dir diese Übersicht beim Vergleichen:

Silikon Edelstahl Porzellan + Silikon
Besonders geeignet für BLW-Start & unkomplizierten Alltag Robustheit & lange Nutzung Klassisches Geschirr + zusätzlichen Halt
Bruchsicher Ja Ja Nein
Saugfunktion Ja je nach Produkt je nach Produkt
Gewicht leicht eher schwerer eher schwerer
Langlebigkeit hoch sehr hoch hoch
Mikrowelle je nach Produkt Nein je nach Produkt
Spülmaschine häufig häufig häufig
Besonders praktisch, wenn … Dein Kind noch viel schiebt und wirft Du möglichst langlebiges Geschirr möchtest Du Porzellan bevorzugst, aber zusätzlichen Halt möchtest

Die konkreten Eigenschaften hängen immer vom jeweiligen Produkt ab. Gerade bei Saugfunktion, Mikrowelle und Reinigung lohnt sich ein Blick auf die Herstellerangaben.

Drei Produkte für drei unterschiedliche Bedürfnisse

Ich habe mir für die drei Bereiche konkrete Produkte angeschaut. Dabei geht es nicht darum, einen allgemeinen „Testsieger“ zu küren.

Viel spannender ist die Frage:

Welches Produkt passt zu welcher Situation?

Für den BLW-Start: Little LURCH Kinderlerngeschirr

Wenn Dein Kind gerade mit dem selbstständigen Essen beginnt und vor allem Standfestigkeit, Bruchsicherheit und einfache Handhabung gefragt sind, lohnt sich ein Blick auf das Little LURCH Kinderlerngeschirr.

Der Teller besteht laut Hersteller aus 100 % Premium-Platin-Silikon, ist bruchsicher und verfügt über einen Saugfuß. Außerdem besitzt er drei Unterteilungen und einen nach innen gewölbten Rand, der das Auslöffeln erleichtern soll. Der Hersteller gibt ihn für Spülmaschine und Mikrowelle frei und nennt einen Temperaturbereich von -40 bis +240 °C.

Gerade für den BLW-Start finde ich die Kombination aus leichtem Material, Saugfuß und nach innen gewölbtem Rand überzeugend.

Und auch hier gilt: Du musst nicht gleich das komplette Sortiment kaufen. Wenn Ihr zunächst nur einen Teller braucht, reicht auch genau dieser eine Teller.

Für Robustheit und lange Nutzung: KINDERWELT KAYA Beikoststart- & Snackteller

Wenn Du möglichst wenig spezielles Babygeschirr kaufen möchtest und vor allem Robustheit und eine lange Nutzungsdauer im Blick hast, ist ein Teller aus Edelstahl eine gute Alternative.

Der KINDERWELT KAYA Beikoststart- & Snackteller ist eine Option für Familien, die bewusst auf Edelstahl setzen möchten.

Der Gedanke dahinter ist ein anderer als beim Silikonteller:

Nicht möglichst weich und leicht für den allerersten Start, sondern robust, langlebig und möglichst vielseitig einsetzbar.

Ein Edelstahlteller ist außerdem weniger empfindlich gegenüber Stößen und Stürzen als Porzellan.

Dafür musst Du mit einem höheren Gewicht rechnen – und genau das kann je nach Alter und Entwicklungsstand Deines Kindes ein wichtiger Punkt sein.

Hier steht also nicht der perfekte BLW-Teller für die ersten Wochen im Vordergrund, sondern die Frage: Kann dieser Teller möglichst lange Teil unseres Alltags bleiben?

Für klassisches Geschirr mit zusätzlichem Halt: IMANKI Porzellanteller mit Silikon-Saughülle

Vielleicht möchtest Du aber auch gar kein typisches Babygeschirr aus Silikon.

Vielleicht möchtest Du, dass Dein Kind von Anfang an möglichst selbstverständlich am Familientisch mitisst – mit einem Teller, der sich auch wirklich wie ein Teller anfühlt.

Dann könnte der IMANKI Porzellanteller mit Silikon-Saughülle gut zu Euch passen.

Hier wird Porzellan mit einer Silikonlösung kombiniert: Das Porzellan bringt die Eigenschaften klassischen Geschirrs mit, während die Silikon-Saughülle für zusätzlichen Halt auf dem Tisch sorgt.

Das passt besonders gut, wenn Du nicht unbedingt ein separates „Babygeschirr-System“ möchtest, sondern möglichst nah am normalen Familientisch bleiben willst.

Natürlich bleibt Porzellan selbst zerbrechlich. Die Kombination macht daraus also keinen bruchsicheren Teller.

Aber sie kann einen schönen Mittelweg darstellen, wenn Dir klassisches Geschirr wichtig ist.

Welches Geschirr passt zu Euch?

Vielleicht lässt sich die Entscheidung am Ende ganz einfach herunterbrechen. Du möchtest gerade vor allem …

… einen leichten, bruchsicheren Teller, der möglichst gut auf dem Tisch bleibt?
→ Dann passt Little LURCH gut zu Euch.

… möglichst robustes Geschirr aus Edelstahl, das Euch lange begleiten kann?
→ Dann schau Dir den KINDERWELT KAYA Beikoststart- & Snackteller an.

… klassisches Porzellangeschirr, aber mit zusätzlichem Halt?
→ Dann könnte der IMANKI Porzellanteller mit Silikon-Saughülle das Richtige sein.

Du brauchst nicht das perfekte BLW-Geschirr

Vielleicht ist das eigentlich Wichtigste an der ganzen Suche:

Du brauchst nicht das perfekte BLW-Geschirr.

Du brauchst Geschirr, das zu Eurem Alltag passt.

Geschirr, das sicher verwendet werden kann.

Geschirr, das Du gerne benutzt.

Und idealerweise Geschirr, das nicht nach ein paar Monaten wieder ersetzt werden muss.

Und genau das ist für mich auch ein Teil von bewusstem Konsum:

Nicht die perfekte Lösung für alle zu suchen, sondern die passende Lösung für Euch.

Denn nachhaltig bedeutet nicht, das „richtige“ Produkt zu besitzen. Sondern das, was Ihr habt, möglichst lange zu nutzen.

Und wenn der Teller dabei trotzdem gelegentlich auf dem Boden landet?

Dann gehört das vermutlich einfach zum BLW dazu.

Und falls vom Teller gerade kaum etwas gegessen wird: Was mir in dieser Zeit geholfen hat, gelassener zu werden, erzähle ich in Loslassen beim Essen.