Es gab eine Zeit, da hätte mich jemand fragen können:

„Wie geht es Dir eigentlich?"

Und ich hätte wahrscheinlich ganz automatisch geantwortet:

„Gut."

Nicht, weil es mir wirklich gut ging.

Sondern weil ich zu beschäftigt war, um ehrlich hinzuspüren.

Ich stand morgens auf.

Ich machte Frühstück.

Ich zog meinen Sohn an.

Ich räumte auf.

Ich dachte an den Einkauf.

An den nächsten Termin.

An das Abendessen.

Ich funktionierte.

Von außen sah das ganz normal aus.

Und ehrlich gesagt fühlte es sich auch für mich normal an.

Erst am Abend, wenn endlich Ruhe einkehrte, merkte ich manchmal, wie müde ich eigentlich war.

Nicht, weil ich in diesem Moment plötzlich ganz erschöpft war.

Sondern weil ich vorher gar keinen Raum gehabt hatte, meine Müdigkeit überhaupt zu bemerken.

Vielleicht kennst Du dieses Gefühl.

Funktionieren fühlt sich irgendwann ganz normal an

Ich glaube, genau das macht das Funktionieren so tückisch.

Es fühlt sich nicht außergewöhnlich an.

Es fühlt sich nach Alltag an.

Du stehst auf, obwohl die Nacht kurz war.

Du tröstest.

Du organisierst.

Du entscheidest.

Du beantwortest Fragen.

Du denkst an alles, was noch erledigt werden muss.

Du kümmerst Dich.

Und irgendwann läuft vieles ganz automatisch.

Wie auf Autopilot.

Nicht, weil Du es bewusst so möchtest.

Sondern weil Dein Alltag Dich trägt.

Das ist nichts Schlechtes.

Im Gegenteil.

Viele Routinen helfen uns, den Tag überhaupt zu bewältigen.

Schwierig wird es erst dann, wenn dieser Autopilot so selbstverständlich wird, dass Du Dich selbst darin kaum noch bemerkst.

Denn während der Alltag einfach weiterläuft, rückt eine Frage immer weiter in den Hintergrund:

„Bemerke ich mich selbst dabei eigentlich noch?"

Nicht, weil diese Frage unwichtig wäre.

Sondern weil so vieles andere gerade wichtiger erscheint.

Du funktionierst nicht, weil mit Dir etwas nicht stimmt

Vielleicht kennst Du den Gedanken:

"Ich müsste besser auf mich achten."

Ich glaube, viele Mamas machen sich genau an dieser Stelle Vorwürfe.

Dabei funktioniert niemand ohne Grund.

Du funktionierst, weil jeden Tag jemand auf Dich angewiesen ist.

Weil Verantwortung nicht einfach warten kann.

Weil Dein Kind Dich braucht.

Weil der Alltag weiterläuft.

Das macht Dich nicht schwach.

Und es macht Dich auch nicht zu einer schlechten Mama.

Im Gegenteil.

Es zeigt, wie viel Du jeden Tag trägst.

Das Schwierige ist nicht das Funktionieren

Das Schwierige ist nicht das Funktionieren.

Das Schwierige ist, dass Du dabei oft gar nicht mehr bemerkst, wie erschöpft Du bereits bist.

Erschöpfung kommt selten mit einem lauten Knall.

Sie schleicht sich langsam in den Alltag.

Vielleicht brauchst Du morgens länger, um in den Tag zu finden.

Vielleicht fällt es Dir schwerer, Dich zu konzentrieren.

Vielleicht bist Du schneller gereizt.

Vielleicht freust Du Dich immer öfter einfach nur darauf, dass endlich Abend wird.

Und trotzdem machst Du weiter.

Nicht, weil Du musst.

Sondern weil es sich inzwischen ganz normal anfühlt.

Woran Du merken kannst, dass Du gerade nur noch funktionierst

Vielleicht erkennst Du Dich in einem dieser Momente wieder.

Du beantwortest automatisch die Frage, wie es Dir geht, obwohl Du gar nicht darüber nachgedacht hast.

Du erledigst eine Aufgabe nach der anderen und weißt am Abend kaum noch, was Du eigentlich alles gemacht hast.

Du setzt Dich zum ersten Mal seit dem Morgen hin.

Und erst dann bemerkst Du, wie müde Du bist.

Oder Du stellst fest, dass Du den ganzen Tag kaum etwas gegessen oder getrunken hast.

Nicht, weil Dir diese Dinge nicht wichtig wären.

Sondern weil Deine Aufmerksamkeit den ganzen Tag bei allem anderen war.

Du musst nicht aufhören zu funktionieren

Vielleicht überrascht Dich dieser Satz.

Ich glaube nämlich nicht, dass die Lösung darin liegt, plötzlich nicht mehr zu funktionieren.

Es wird Tage geben, an denen Dein Kind krank ist.

An denen Termine anstehen.

An denen das Leben einfach laut ist.

An solchen Tagen wirst Du vieles tragen.

Und das ist in Ordnung.

Denn Du tust es aus Liebe.

Vielleicht geht es deshalb gar nicht darum, weniger stark zu sein.

Vielleicht geht es darum, zwischendurch immer wieder zu bemerken, wie viel Du gerade trägst.

Manchmal reicht ein kurzes Innehalten

Früher dachte ich oft, ich müsste zuerst meinen Alltag verändern.

Heute glaube ich, dass etwas anderes davor kommt.

Ein kurzer Moment des Innehaltens.

Der Moment, in dem ich bemerke:

„Ich bin gerade müde."

„Ich bin angespannt."

„Ich funktioniere gerade einfach nur."

Mehr braucht es manchmal gar nicht.

Nicht jede Situation lässt sich sofort verändern.

Nicht jeder Tag wird plötzlich leichter.

Aber zwischen all den Aufgaben entsteht für einen kleinen Moment wieder Platz.

Platz für mich.

Und allein das verändert oft schon etwas.

Vielleicht beginnt genau das heute

Vielleicht wird Dein Tag heute genauso voll sein wie gestern.

Vielleicht wird Dein Kind Dich genauso oft brauchen.

Wahrscheinlich wirst Du wieder viele Dinge gleichzeitig im Blick haben.

Aber vielleicht gibt es heute einen einzigen Moment, in dem Du innehältst.

Nicht lange.

Nur für einen Augenblick.

Und Dich fragst:

„Funktioniere ich gerade nur – oder kann ich mich selbst wahrnehmen?"

Nicht, um sofort etwas zu verändern.

Nicht, um alles besser zu machen.

Sondern einfach, um den Unterschied wieder zu spüren.

Denn Erschöpfung wird selten in dem Moment sichtbar, in dem sie entsteht.

Oft zeigt sie sich erst dann, wenn endlich jemand hinschaut.

Und dieser jemand darf heute auch einmal Du selbst sein.