Es gibt Tage, an denen mich jemand fragt: „Was brauchst Du gerade?"

Und ich merke, dass ich keine Antwort habe.

Nicht, weil ich nichts brauche.

Sondern weil ich es schlicht nicht weiß.

Früher hätte ich wahrscheinlich einfach gesagt: "Ach, alles gut."

Nicht weil alles gut gewesen wäre.

Sondern weil ich mir diese Frage selbst schon lange nicht mehr gestellt hatte.

Ich weiß, was mein Sohn braucht.

Ich weiß, was heute noch erledigt werden muss.

Ich weiß, welche Einkäufe noch fehlen.

Doch wenn es um mich selbst geht, wird es plötzlich still.

Vielleicht kennst Du dieses Gefühl.

Du spürst, dass irgendetwas fehlt.

Dass Du erschöpft bist oder gereizt.

Dass Du Dich nach etwas sehnst.

Aber Du kannst nicht genau benennen, wonach eigentlich.

Wenn es Dir so geht, bedeutet das nicht, dass Du den Bezug zu Deinen Bedürfnissen verloren hast.

Vielleicht hast Du nur sehr lange aufgehört, ihnen zuzuhören.

Bedürfnisse verschwinden nicht

Ein Gedanke hat mir sehr geholfen:

Unsere Bedürfnisse gehen nicht verloren.

Sie werden nur immer leiser.

Nicht, weil sie weniger wichtig wären.

Sondern weil andere Stimmen mit der Zeit lauter werden.

Die Stimme, die sagt:

"Mach das noch schnell."

"Andere brauchen Dich gerade mehr."

"Reiß Dich zusammen."

Irgendwann hörst Du diese Stimmen klarer als Deine eigene.

Dabei ist Deine innere Stimme nie verschwunden.

Sie wartet geduldig darauf, wieder gehört zu werden.

Vielleicht war sie einfach lange nicht die lauteste.

Zwischen To-do-Listen, Verantwortung und dem Wunsch, für alle da zu sein, wurde sie mit der Zeit immer leiser.

Nicht weil sie weniger wichtig geworden ist.

Sondern weil so vieles andere Deine Aufmerksamkeit gebraucht hat.

Vielleicht geht es gar nicht um mehr Zeit

Wenn Mamas über Selbstfürsorge sprechen, fällt oft derselbe Satz: "Ich habe einfach keine Zeit dafür."

Zeit spielt natürlich eine Rolle.

Mehr Zeit hilft oft.

Aber sie beantwortet noch nicht die Frage, was Du in dieser Zeit eigentlich brauchst.

Und doch glaube ich, dass es oft noch um etwas anderes geht.

Denn selbst wenn plötzlich eine Stunde frei wäre – wüsstest Du spontan, was Dir gerade guttun würde?

Vielleicht ja.

Vielleicht aber auch nicht.

Du hast diese Frage vielleicht verlernt zu stellen.

Nicht aus Schwäche.

Sondern weil Du sie so lange nicht gebraucht hast.

Vielleicht beginnt der Weg zurück zu Dir deshalb gar nicht mit mehr Zeit.

Sondern mit einer kleinen, ehrlichen Frage.

Bedürfnisse sind viel mehr als Schlaf und Pausen

Wenn Du an Bedürfnisse denkst, denkst Du oft an die großen Dinge.

Schlaf.

Essen.

Ruhe.

Doch Dein Inneres ist viel vielfältiger.

Vielleicht sehnst Du Dich gar nicht nach einer freien Stunde.

Vielleicht sehnst Du Dich danach, Dich wieder leicht zu fühlen.

Danach, einmal nichts organisieren zu müssen.

Mal nicht ständig funktionieren zu müssen.

Nach nur fünf Minuten, in denen niemand etwas von Dir möchte.

Vielleicht wünschst Du Dir einfach mal nur zu sein.

Manchmal verändert schon das Benennen eines Bedürfnisses etwas.

Nicht, weil es sofort erfüllt wird.

Sondern weil Du Dich selbst wieder ein Stück besser verstehst.

Dein Körper erinnert Dich manchmal daran

Vielleicht fällt es Dir schwer, Deine Bedürfnisse in Worte zu fassen.

Dein Körper spürt sie oft schon früher.

Welche leisen Signale das sein können, habe ich in einem eigenen Artikel gesammelt.

Du musst nicht jedes Bedürfnis sofort erfüllen

Dieser Gedanke nimmt viel Druck heraus.

Es geht nicht darum, dass jede Sehnsucht sofort Wirklichkeit wird.

Mit einem kleinen Kind ist das oft auch gar nicht möglich.

Es geht zunächst nur darum, sie wahrzunehmen.

Wenn Du bemerkst: "Ich wünsche mir gerade Ruhe."

kann es sein, dass diese Ruhe erst am Abend möglich wird.

Aber etwas hat sich bereits verändert.

Du kämpfst nicht mehr gegen Dich.

Du verstehst Dich.

Und dieses Gefühl kann erstaunlich entlastend sein.

Fang nicht mit der großen Frage an

Die Frage: „Was brauche ich?" kann überwältigend sein.

Vielleicht hilft eine kleinere Frage.

„Was würde mir diesen Moment ein kleines bisschen leichter machen?"

Oft suchen wir sofort nach einer Lösung.

Dabei reicht für den Anfang oft schon eine ehrliche Antwort.

Vielleicht ist die Antwort:

Ein Glas Wasser.

Ein tiefes Durchatmen.

Ein Fenster öffnen.

Den Tee warm trinken.

Die Schultern lockern.

Fünf Minuten ohne Handy.

Es müssen keine großen Veränderungen sein.

Oft beginnt die Verbindung zu Dir selbst in den unscheinbaren Momenten.

Du darfst Dir selbst wieder zuhören

Du schenkst Deinem Kind so viel Aufmerksamkeit.

Du beobachtest seine Mimik.

Du hörst seine Zwischentöne.

Du spürst oft schon, bevor es selbst sagen kann, dass es müde oder hungrig ist.

Stell Dir vor, Du würdest Dir selbst dieselbe Aufmerksamkeit schenken.

Nicht kritisch.

Nicht bewertend.

Sondern neugierig.

Vielleicht würdest Du entdecken, dass auch in Dir jeden Tag eine leise Stimme spricht.

Nicht laut.

Nicht fordernd.

Aber ehrlich.

Vielleicht ist es wie mit einer guten Freundschaft, um die es lange still geworden ist.

Nicht weil sie verschwunden wäre.

Sondern weil das Leben lange laut war.

Und manchmal braucht es nur einen kleinen Moment der Aufmerksamkeit, damit wieder Nähe entsteht.

Ein kleiner Moment für heute

Vielleicht kannst Du heute noch nicht genau benennen, was Du brauchst.

Das ist in Ordnung.

Du musst nicht sofort Antworten finden.

Vielleicht reicht es, wieder Fragen zu stellen.

Was möchte gerade eigentlich gesehen werden?

Wonach sehne ich mich?

Was würde mir diesen Moment ein kleines bisschen leichter machen?

Vielleicht findest Du heute noch keine klare Antwort.

Vielleicht entsteht nur ein erstes Gefühl.

Und vielleicht reicht genau das.